Willkommen beim NABU Kreisverband Kassel

NABU fordert Bewerbung auf hessisches Pilotprojekt

Kreisweiter Landschaftspflegeverein als Chance für nordhessische Kulturlandschaft

Der Naturschutzbund (NABU) Kreisverband Kassel Stadt und Land e.V. bestärkt die Forderungen des Naturschutzbeirates des Landkreises Kassel, sich im hessenweiten Wettbewerb um ein mehrjähriges Pilotprojekt zur Einrichtung eines Landschaftspflegeverbandes stark zu machen.

 

 

 

In ganz praktischer Art und Weise meistern die Landschaftspflegevereine die zahlreichen Herausforderungen moderner Kulturlandschaft und bieten Bürgern wie Kommunen Hilfestellungen an. In Deutschland existieren cirka 150 Landschaftspflegevereine, in denen 20.000 Landwirte, über 3.000 Kommunen und 1.000 Vereine Mitglied sind. Ein Landschaftspflegeverein setzt sich in sogenannter „Drittelparität“ zusammen. Das heißt, je ein Drittel der Entscheidungsträger/innen besteht aus Naturschützern, Landwirten und Kommunen. „So werden alte Gegner zu neuen Partnern“ sagte Markus Dietrich vom NABU Kreisvorstand. Vorsitzender Manfred Henkel ergänzt: „Wir haben im Sinne unserer Region ein großes Interesse konsensorientiert miteinander zu arbeiten. Doch fehlt uns bisher die Basis dafür. Ein solcher Verein, der nach der Phase der Anschubfinanzierung durch das Pilotprojekt, seine eigenen Finanzmittel erarbeitet, wäre ideal für alle Beteiligten“.

 

 

 

Kreisweite Landschaftspflegevereine entlasten vor allem die Kommunen. Sie erarbeiten sinnvolle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Dafür unterbreiten sie Vorschläge zur Umsetzung und Gewährleistung fachgerecht ausgeführter Pflege von geschützten Biotopen wie beispielsweise Feuchtwiesen, Magerrasen, naturnahe Stillgewässer oder auch Streuobstwiesen, für die eine gesetzliche Erhaltungspflicht besteht. Aus diesen Leistungen ergeben sich zusätzliche finanzielle Standbeine für Landwirte. 72% der Gesamtkosten für Landschaftspflegemaßnahmen gehen direkt an Partner vor Ort. Für gebietstypische landwirtschaftliche Produkte erarbeiten Landschaftspflegevereine neue Vermarktungsstrukturen. Desweiteren kümmern sie sich um die Mittelaquise für Naturschutz- und Landwirtschaftsprojekte wie Life+ und Naturschutzgroßprojeke. Beim „Abgreifen“ solcher Mittel hat der Landkreis Kassel gegenüber vielen anderen Landkreisen ein großes Defizit. Mit der Folge, dass die kreisweite naturtouristische Vermarktung wertvoller Kulturlandschaften in den Bereichen außerhalb des Naturparks Habichtswald z.B. wenig bis gar nicht gefördert wird. Eine nachhaltige Regionalentwicklung, die nicht nur Ökonomie und Ökologie in Einklang bringt, sondern auch die Menschen mit und in ihrer Heimat verbindet, sollte laut NABU Kreisverband das Ziel sein.

 

 

 

Forderung

 

Der NABU schließt sich daher den Forderungen des Naturschutzbeirates an, dass sich die Landkreisverwaltung für das Pilotprojekt des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im eigenen Kreis einsetzen sollte. Der NABU bittet alle Kommune, dem Wunsch des fachlich versierten Naturschutzbeirates nachzukommen und die unverbindliche Willenserklärung ebenfalls zu unterzeichnen. Eine  Anschubfinanzierung über ein Pilotprojekt wäre ein großer Gewinn für die Region und die Zukunft unserer Kulturlandschaft.

 

 

Weitere Informationen zum Thema: www.lpv.de

 

Zehn Punkte für mehr Naturschutz

NABU stellt Kernforderungen zur Kommunalwahl in Hessen vor

Zehn NABU-Forderungen zur Kommunalwahl

 

 

 

1.      Artenschutz vor Ort

 

Der Artenschutz kann von Kommunen auf verschiedene Weise gefördert werden. So sollte die Pflege von öffentlichen Grünflächen nach ökologischen Standards erfolgen. Hierzu gehören das Pflanzen von heimischen Blumen auf Rabatten, der Verzicht auf Gifteinsatz, das Wachsenlassen von Blühwiesen, das Liegenlassen von Laub auf Beeten und das Einrichten von "wilden Ecken". Für die Pflege städtischer Grünflächen sollten Bürgerpatenschaften angeboten werden. Bei Bau und Sanierung von öffentlichen Gebäuden ist auf den Artenschutz zu achten. Hierbei spielen Nisthilfen für Vögel und der Fledermaussschutz eine besondere Rolle.

 

 

 

2.      Gehölze im Siedlungsraum

 

Der Erhalt alter Baumstrukturen ist für den Schutz der biologischen Vielfalt von großer Bedeutung. Deshalb muss die Gehölzpflege auf kommunalen Flächen nach naturschutzfachlichen Grundsätzen erfolgen. Es gilt, den öffentlichen Baumbestand sowie Hecken und andere Gehölze in ihren Qualitäten zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dazu sollte es in jeder Siedlung Pflegepläne geben, die dem Schutz der biologischen Vielfalt verpflichtet sind. Innerstädtische Begrünung und das Freihalten von Frischluftschneisen in der Bebauung sind zudem wirksame Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel mit einer Zunahme sommerlicher Hitzetage.

 

 

 

3.      Naturschutz im Wald

 

Da naturnahe Wälder ein wichtiger Lebensraum für viele gefährdete Tiere und Pflanzen sind, müssen kommunale Wälder mit einem Öko-Siegel wie FSC oder Naturland zertifiziert werden. Hierzu gehören der Erhalt von wertvollen Altholzinseln und die Ausweisung von zehn Prozent Naturwaldgebieten. Im Mittelpunkt der Neuanlage von Wald sollte das Pflanzen von vielfältigen Laubholzwäldern mit Edellaubhölzern stehen. Die Jagd ist nach ökologischen Kriterien auszurichten und mit einem naturschutzfachlichen Wildtiermanagement zu verknüpfen.

 

 

 

4.      Natur- und Umweltbildung

 

Die Natur- und Umweltbildung spielt in Städten und Gemeinden eine wichtige Rolle, um Menschen für den Schutz einer vielfältigen Natur zu gewinnen. Deshalb sollten regionale Umweltbildungszentren finanziell gefördert und unterstützt werden. Bei Revierbetreuungs-Verträgen mit dem Landesbetrieb Hessen-Forst muss zudem die Verpflichtung zur Durchführung von Veranstaltungen zur Waldpädagogik kontrolliert werden. Auch in den Programmen der Volkshochschulen sollten die Themen verstärkt aufgegriffen werden.

 

 

 

5.      Ausgleichsmaßnahmen

 

Bei zahlreichen Bauplanungen in Städten und Gemeinden ist zu beobachten, dass nach Naturschutz- und Baugesetz rechtlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen zum Wohle der Natur oft nur unzureichend umgesetzt und kaum kontrolliert werden. Kommunen haben die Durchführung und Pflege der Ausgleichsflächen künftig langfristig sicherzustellen.

 

 

 

6.      Nachhaltiger Lebensstil

 

Ein nachhaltiger Lebensstil, der nicht weiter Unmengen an wertvollen Ressourcen verbraucht, gehört zu den wichtigsten Anforderungen an eine zukunftsfähige Gesellschaft. Im Rahmen eines Aktionsplans "Nachhaltige Kommune" gilt es, den Einsatz von Regional-, Bio- und Transfair-Produkten zu forcieren, in allen Einrichtungen auf umweltfreundliche Produkte umzusteigen und den materiellen Verbrauch zu senken. Mit der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs – z.B. durch die Einrichtung von Bürgerbussen –, des Ausbaus von Radwegen und dem Einrichten von E-Bike-Stationen sollte der Umstieg der Mitbürger auf umweltfreundliche Verkehrsmittel unterstützt werden.

 

 

 

7.      Grüne Landwirtschaft

 

Um dem grassierenden Artenschwund auf landwirtschaftlichen Flächen entgegenzuwirken, können Städte und Gemeinden eine ganze Reihe an Maßnahmen ergreifen. So sollte darauf geachtet werden, dass Wegränder in kommunalem Eigentum in voller Breite erhalten bleiben und nicht unter den Pflug geraten. Auch der Umbruch von Graswegen zu Äckern muss unterbunden werden. Zudem sollten die Mahdtermine auf den gemeindeeigenen Grünflächen zum Schutz von Tieren und Pflanzen in Staffelmahd oder erst später im Jahr erfolgen. Jede Kommune hat darüber hinaus ein Konzept zur Biotopvernetzung zu erstellen und umzusetzen. Hierzu zählen auch Aktionen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes wie das Anlegen von Lerchenfenstern und Acker-Blühstreifen. Die Landwirtschaft auf kommunalen Flächen ist vertragsmäßig auf ökologischen Landbau und gentechnikfreies Saatgut umzustellen.

 

 

 

8.      Energiewende

 

Die Energiewende sollte vor Ort in Bürgerhand liegen und naturnah ausgestaltet werden. So sind die Bürger bei der Energiewende z.B. in Form kommunaler Windräder und Genossenschaften für Solarenergie und Stromnetze zu beteiligen. Die Wertschöpfung muss in der Region bleiben. Energieanlagen dürfen zum Schutz von gefährdeten Tieren allerdings nur in den landesweit dafür vorgesehenen Vorranggebieten errichtet und betrieben werden. Der kommunale Klimaschutz sollte mit Energiesparprogrammen, Solarenergie auf öffentlichen Gebäuden sowie der Wärmedämmung von öffentlichen Gebäuden optimiert werden.

 

 

 

9.      Gewässerschutz

 

Die Renaturierung von Fließgewässern spielt eine große Rolle bei der Sicherung der biologischen Vielfalt. Die Kommunen sind aufgefordert, die europäische Wasserrahmenrichtlinie konsequent und zeitnah umzusetzen. Mit der Einrichtung von Gewässer-Entwicklungsstreifen sollten Städte und Gemeinden den Bächen und Flüssen wieder verstärkt freien Lauf lassen. Unverbaute Auengebiete helfen auch beim Schutz vor Hochwasser. Darüber hinaus müssen aber auch Teiche, Tümpel und feuchte Senken in der Landschaft als Lebensräume erhalten bleiben.

 

 

 

10.   Naturschutz als Partner

 

Ein wichtiges Wahlkriterium ist die Anerkennung und Wertschätzung des ehrenamtlichen Naturschutzes als wichtiger Gesprächspartner von Kommunalpolitik und Verwaltung. Dazu gehören die Offenheit für Verbesserungsvorschläge, eine transparentere Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltungsgremien und die konsequente Beachtung des Umweltinformationsgesetzes. Auch die örtlichen Naturschutzbeiräte sollten dauerhaft erhalten und gestärkt werden.

 

Der Stieglitz - Vogel des Jahres 2016. Foto: NABU/Frank Derer
Der Stieglitz - Vogel des Jahres 2016. Foto: NABU/Frank Derer

Biologische Vielfalt "Hute am Seilerberg“

NABU-Stiftung übernimmt Fläche des Nationalen Naturerbes

NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe ist neue Eigentümerin des Nationalen Naturerbes „Hute am Seilerberg“. Die 183 Hektar große ehemalige Militärfläche soll langfristig als Hutweide und Mähwiese genutzt werden, um gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wie Kammmolch, Neuntöter und Heidenelke eine Heimat zu bieten. Bei der Übernahme des Schutzgebietes von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zeigte sich der Stiftungsvorsitzende Hartmut Mai erfreut, die Verantwortung für die Wiesenflächen übernehmen zu können: „Wir empfinden es als besondere Verpflichtung, ein Stück des Nationalen Naturerbes zu betreuen und für künftige Generationen zu erhalten“. Die hessische Umweltministerin Priska Hinz betonte die große Bedeutung der Zusammenarbeit im Naturschutz: „Nur wenn alle gesellschaftlichen Akteure an einem Strang ziehen, lässt sich die biologische Vielfalt in Hessen dauerhaft sichern. Das Nationale Naturerbe ‚Hute am Seilerberg‘ ist ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Kooperation zum Wohl von Mensch und Natur“.


Die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe als neue Eigentümerin der Fläche und der vor Ort zuständige Bundesforstbetrieb Schwarzenborn als Dienstleister werden gemeinsam die umfassenden Betreuungs- und Naturschutzaufgaben, die das NNE mit sich bringt, erfolgreich umzusetzen.“ Der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler hob hervor, dass das Nationale Naturerbe einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leiste. „Um das fortschreitende Artensterben in Hessen zu beenden, brauchen wir aber auch eine naturschonende Bewirtschaftung auf der ganzen Fläche“, so Eppler. Der 1. Beigeordnete der Gemeinde Habichtswald Neidhard Heinemann stellte heraus, dass das Nationale Naturerbe auch eine regionale Anbindung benötige: „Wir erhoffen uns eine enge Kooperation mit der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe, um zum Schutz der Artenvielfalt beitragen zu können und gleichzeitig die Begehbarkeit und Erlebbarkeit zu erhalten“. Im Rahmen der Übergabe unterzeichneten die NABU-Stiftung und die BImA einen Dienstleistungsvertrag für das Nationale Naturerbe „Hute am Seilerberg“. Der Seilerberg ist das zweite Schutzgebiet dieser Art, das der NABU-Stiftung übereignet wird.

NABU auf dem Hessentag in Hofgeismar